Für alle, die es ganz genau wissen wollen empfehle ich von
Prof. G. Schirscher die Veröffentlichung
"Verfolgungsprobleme"! Hier sind auch die vollständigen
Ableitungen der Formeln nach zu lesen, aber bitte etwas Zeit einplanen,
ist nicht ganz trivial!
Einfacher in der Praxis: Jeder von uns bewegt sich ständig auf
irgendwelchen "Verfolgungskurven" , ob mit dem Fahrrad oder im Auto,
immer "schauen" die Hinterräder auf die Vorderräder, die sich
auf bestimmten "Fluchtwegen" befinden. Beim Flugzeug (Dreirad)
haben die hinteren Räder übrigens noch einen Schielwinkel
dabei.
Im Beispiel fährt ein Auto rückwärts aus einer
Parklücke und bewegt sich auf einer Traktrix, das linke Vorderrad
wird auf einer Geraden gehalten, um den links daneben parkenden Wagen
nicht zu rammen.
Traktrix beim Ausparken oder Einparken
Schleppsinus
Schleppkreis
Bekannt aber wurde dieses Thema unter dem Namen Hundekurve, der Hund folgt dem vorauslaufenden Herrchen.
Übrigens spricht man von einer Traktrix, wenn der Abstand zwischen den Objekten (Hund und Herrchen) gleich bleibt, der Hund also an der Leine ist.)
Inzwischen sind viele Varianten des Verfolgungsproblems
veröffentlicht, von Katze und Maus, vom Liebhaber zur Angebeteten
und vieles andere. Interessante Verfolgungskurven entstehen
übrigens auch, wenn sich das Zielobjekt selbst auf einer Kurve
(z.B. Kreis oder sinus-Linie) bewegt.
Angewandt wird es aber mit einem sehr ernsten Hintergrund,
Verfolgungsstrategien im Militärwesen, der Flug- und
Raketentechnik. Hier lauten die Aufgabenstellungen: Wie ist der
Verfolgungsweg zu wählen, um das Ziel zu treffen, wie sind die
Vorhaltewinkel (Schielkurve) zu wählen, welche Reaktionszeiten und
Flugeigenschaften können die Vererfolgung garantieren usw. Analog
natürlich, wie kann man einem feindlichen Angriff entkommen.
Der aufmerksame Segelfreund sollte die Hundekurve übrigens
noch aus der Segel-Ausbildung kennen. Hier
im Zusammenhang mit der Ansteuerung eines Wegpunktes (homing). Bei
Vernachlässigung von Wind- und Stromversatz führt ein
sturer rechtweisender Kurs nicht direkt zum Wegziel, sondern man
nähert sich auf einer Hundekurve dem Ziel. Der optimale Kurs
muss deshalb den Versatz (Wind, Strom, Mißweisung, Ablenkung)
direkt berücksichtigen.
Formel für die Verfolgungskurve und Ansatz, nach Schirscher
„Gehen wir
noch vor dem durch oder dahinter?“ fragt Steinchen am Steuer.
Der Skipper schaut
auf den Frachter, der sich von Steuerbord nähert.
„Keinen
Stress, Steinchen, seemännische Ruhe und Sicherheit, wir gehen hinter ihm
durch.
Auch wenn wir
Wegerecht haben, wir zeigen deutlich an, dass wir ihn passieren lassen!“
„Also was
soll ich machen?“
„Abfallen vom
Wind und immer auf sein Heck halten, bis du wieder auf Kurs bist!“
„...immer auf
sein Heck halten... ...immer auf sein Heck halten...“ wiederholt
Steinchen in Gedanken.
Dann kommt die
Erleuchtung: “Das ist ja Wahnsinn, ...immer auf sein Heck halten...,
wisst ihr was das wird?“
Der Skipper taucht
unter Deck ab um der Frage zu entgehen, wir sind oben und müssen durch.
„Das ist das
klassische Verfolgungsproblem! Männer wir fahren auf einer Verfolgungskurve,
das ist glatter Wahnsinn!“ schreit Steinchen
und schaut auf unsere Fahrwasserlinie.
„Nun krieg` dich
mal wieder ein, Steinchen und schau nach vorn, sonst wird das hier noch eine
Kavaliershalse!!“ mahnt Dieter.
Doch
Steinchen ist nicht
mehr zu bremsen: „ Das Verfolgungsproblem ist relativ leicht
beschrieben, aber mathematisch sehr anspruchsvoll zu lösen. Die erste Erwähnung
geht auf den französischen Mathematiker Pierre Bouguer zurück, der das Verfolgungsproblem 1732 so formulierte:
Zwei Schiffe, fahren mit konstanten Geschwindigkeiten auf
hoher See;
das eine hält immer Kurs auf das andere, welches sich
auf einer Geraden bewegt.
Was für eine Kurve beschreibt das
Verfolgerschiff?